Zwei Jahre sind vergangen, seit wir beim Immobiliensymposium 2020 unter dem Titel „Wege aus der Klimakrise“ die Bedeutung der Baubranche für den Klimaschutz, den dringenden Handlungsbedarf, Lösungsansätze und Best-Practices diskutierten. Was hat sich seither getan? Ist die Branche inzwischen auf dem richtigen Weg?
In der medialen Wahrnehmung haben die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine den Klimaschutz in den Hintergrund gedrängt. Doch die Uhr tickt unaufhaltsam: Erst im März zeigten die Berechnungen des Bundesumweltamtes, dass der Gebäudesektor die Klimaziele der Bundesregierung im zweiten Jahr in Folge verfehlt hat. Nur drei Wochen später veröffentlichte der Weltklimarat IPCC das dritte und wichtigste Kapitel seines sechsten Sachstandsberichts. Die alarmierende Botschaft: Nur eine umfassende systemische Transformation kann heftigste Klimafolgen noch abwenden.
Um den Anforderungen und selbstgesteckten Zielen endlich gerecht zu werden, arbeitet die neue Regierungskoalition u.a. an einem Solarbeschleunigungspaket sowie der Neuausrichtung der Neubauförderung – doch erntet für den nun schon zweiten abrupten Antragstop scharfe Kritik. Ein wesentlicher Treiber der Bauwende ist derweil die Europäische Union: Green Deal, ESG-Kriterien & Taxonomie-Verordnung üben Druck auf Investoren aus und steigern allmählich die Nachfrage nach „grünen“ Immobilien. Dabei rückt über die Betriebsphase hinaus auch das Thema Lebenszyklus-Betrachtung und damit verbunden die graue Energie immer mehr in den Fokus.
Materialien, Kosten, Prozesse
Doch wie zukunftsfähig ist der emissionsintensive Baustoff Beton? Ist der Trend zum Holzbau auch für Großprojekte geeignet – und kann der Markt die steigende Nachfrage bedienen?
Wer zahlt eigentlich die Mehrkosten für erhöhten Planungsaufwand, zusätzliche Genehmigungsprozesse und teureres Material? Kann die Marktwirtschaft das regeln oder sind immer neue, immense Förderungen notwendig?
Und welche Prozesse und Strukturen müssen wir verändern? Welchen Beitrag kann Digitalisierung leisten und ist Neubau überhaupt noch zeitgemäß?
Gemeinsam mit renommierten Branchenexperten diskutierten wir diese drei Themenkomplexe, betrachteten Praxisbeispiele, Forschungsergebnisse und Visionen. Nach Impulsvorträgen und Podiumsdiskussionen am Vormittag gingen wir nach dem Mittag aktiv in die Diskussion. In Workshops mit einleitenden Vorträgen erörterten wir gemeinsam Erfahrungen und Herausforderungen aus der Praxis, lernten voneinander, eröffneten neue Perspektiven und erweiterten unser Netzwerk.