„Immobilien neu denken – Quo vadis, Stadt und Land?“: 8. Dresdner Immobiliensymposium

Dresdner Immobiliensymposium 2026

Wie sieht die Immobilienentwicklung der Zukunft aus, wenn starre Grenzen zwischen Arbeiten und Wohnen, zwischen Stadt und Land zunehmend verschwimmen? Dieser Frage widmeten sich hpm Henkel Projektmanagement und der BDA Sachsen am 21. Januar 2026 im Deutschen Hygiene-Museum Dresden. Vor über 130 Gästen diskutierten Experten aus Wirtschaft, Politik und Planung nicht über abstrakte Visionen, sondern über konkrete Transformationspfade: von der Revitalisierung ländlicher Kerne bis zur „Multikodierung“ städtischer Gebäude. Ein Tag, der zeigte: Die Branche braucht weniger Bedenkenträger und mehr „Einfach-Machen“-Mentalität.

Bedarfsplanung als Fundament in unsicheren Zeiten

„Bedarfsplanung ist Bauherrenverantwortung“ – mit diesem Credo eröffnete Thomas Henkel, Geschäftsführer von hpm, zehn Jahre nach der ersten Veranstaltung das nunmehr 8. Dresdner Immobiliensymposium. Er machte deutlich, dass in einer Zeit geopolitischer Unsicherheiten und volatiler Märkte das bloße Bauen in den Hintergrund rückt. Vielmehr geht es um die fundierte Analyse im Vorfeld: Was wird wirklich gebraucht? Henkel mahnte an, dass erfolgreiche Projekte heute mehr denn je eine präzise Zieldefinition und strategische Weitsicht erfordern, bevor der erste Bagger rollt. hpm versteht sich hierbei als Impulsgeber, der Investoren und Kommunen hilft, die richtigen Fragen zu stellen, statt schnelle, aber am Markt vorbei geplante Antworten zu liefern.

Markt & Standort – Realismus trifft auf Wachstumsschmerzen

Der erste Themenblock widmete sich der großen geo- und wirtschaftspolitischen Klammer. Dresdens Baubürgermeister Stephan Kühn zeichnete das Bild einer Stadt im Wachstumsschmerz: Die Chip-Industrie im Norden als Jobmotor, der zugleich den Druck auf den Wohnungsmarkt und die Infrastruktur erhöht. Kühn forderte, Wachstum nicht nur in Quadratmetern, sondern in Lebensqualität zu denken. Einen spannenden Einblick gab er zudem in das neue Stadtforum: Hier teilen sich 1.500 Beschäftigte 1.000 Arbeitsplätze – ein Modell, das anfängliche Skepsis in Zustimmung verwandelte. Mobiles Arbeiten ist längst Standard, die Teeküche wird zum zentralen Kommunikationsort. Kühn zeigte damit, dass die Verwaltung selbst zum Vorreiter moderner Arbeitswelten wird und durch Zentralisierung die Innenstadt belebt, statt Leerstand zu verwalten.

Aygül Özkan, Hauptgeschäftsführerin des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V., die krankheitsbedingt per Videobotschaft zugeschaltet war, analysierte die aktuelle Marktlage mit nüchterner Klarheit: Die Erholung der Branche ist fragil, das „Sommerhoch“ verpufft. Doch statt in Pessimismus zu verfallen, forderte sie mutige Reformen. Sie lobte Sachsen als Vorreiter beim „Gebäudetyp E“ und mahnte, den „Bau-Turbo“ auch in den Amtsstuben wirklich zu zünden. Ihr Appell: Wir müssen Bestand erhalten und umnutzen, statt immer nur neu zu bauen – das spart Ressourcen und schafft Identität.

Andreas Lippert, Abteilungsleiter Investorenservice bei der Wirtschaftsförderung Sachsen, warnte davor, den Fachkräftemangel zu unterschätzen. Seine These: Sachsen als Investitionsstandort funktioniert nur mit einer echten Willkommenskultur. Die Kernbotschaft dieses Blocks: Der Markt reguliert sich nicht mehr allein über den Preis, sondern über Standortqualität, moderne Rahmenbedingungen und eine Portion Pragmatismus.

Innenstadt & New Work – Vom „Shopping-Center“ zum „Dritten Ort“

Wie vital sind unsere Innenstädte noch? Boris Hedde, Geschäftsführer des IFH Instituts für Handelsforschung Köln, lieferte datenbasierte Fakten statt Bauchgefühl. Seine These: Die Innenstadt der Zukunft ist kein reiner Versorgungsort mehr, sondern ein Erlebnisraum. Besucher suchen Begegnung und Gastronomie, nicht nur den schnellen Einkauf. Hedde forderte, die „Promoter“ – also die echten Fans einer Stadt – viel stärker in die Entwicklung einzubeziehen.

Daran knüpfte Guido Rottkämper von den Arbeitswelt-Strategen design2sense nahtlos an. Er dekonstruierte das klassische Büro. In einer Welt, in der Homeoffice zur Norm wird, muss das Büro mehr bieten als einen Schreibtisch. Es wird zum sozialen Ankerpunkt. Rottkämper plädierte für eine „Multikodierung“ von Gebäuden: Warum stehen teure Verwaltungsbauten ab 17 Uhr leer? Die Zukunft liegt in der Mehrfachnutzung – die Bibliothek wird zur Demokratielounge, das Foyer zum abendlichen Event-Space. Effizienz bedeutet hier nicht Verdichtung, sondern zeitliche Flexibilität.

Quartiere & Ländlicher Raum – Mut zum Experiment

Im dritten Block ging der Blick über den Tellerrand der Metropolen hinaus und lieferte die vielleicht mutigsten Impulse des Tages. Dr. Klaus Meier stellte die Entwicklung des Kellogg-Areals in Bremen vor, ein Paradebeispiel für Transformation: Wo früher Cornflakes produziert wurden, entsteht ein autarkes Quartier, das Flusswasser zur Kühlung nutzt und Mobilitätshubs statt Tiefgaragen baut. Meiers Devise „Mut zum Experiment“ – etwa durch temporäre Nutzungen wie eine Gemüsewerft – zeigte eindrücklich, wie Identität geschaffen wird.

Stephan Berger, Leiter der Abteilung Mobilität im Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung (SMIL), skizzierte die Herausforderungen der Mobilität in Sachsen. Er sprach offen über den Spagat zwischen dem Erhalt maroder Brücken und dem Ausbau des „PlusBus“-Netzes, um den ländlichen Raum nicht abzuhängen. Seine Vision einer „Stadt-Land-Mobilität“ setzt auf Vernetzung statt reinen Neubaus.

Dr. Anita Maaß, Bürgermeisterin von Lommatzsch, und Hans-Peter Sander, Leiter des bayerischen Landesbüros der CoworkLand eG, brachen schließlich eine Lanze für die Provinz. Maaß schilderte pragmatisch, wie ihre Kleinstadt dem demografischen Wandel trotzt – durch Ärztehäuser statt leerer Läden und ein starkes Vereinsleben als sozialen Klebstoff. Sander ergänzte dies mit dem Konzept der „Mehrwertorte“: Coworking im ländlichen Raum ist mehr als ein Tisch mit WLAN. Es spart Pendelwege und bringt Kaufkraft zurück ins Dorf. Ein verblüffendes Beispiel: Dorffeuerwehren, deren Tagesverfügbarkeit plötzlich steigt, weil die Kameraden nicht mehr in die Großstadt pendeln, sondern im Coworking-Space nebenan arbeiten.

Fazit & Ausblick: Raus aus den Silos

Die abschließende Diskussion mit Moderator Dr. Thomas Welter (BDA) bündelte die Energie des Tages. Einig waren sich alle: Die komplexen Aufgaben der Zukunft lassen sich nicht mehr in den Silos der einzelnen Disziplinen lösen. Architekten müssen ökonomisch denken, Verkehrsplaner städtebaulich und Projektentwickler soziologisch. Das 8. Dresdner Immobiliensymposium war mehr als eine Bestandsaufnahme; es war ein Aufruf zum „Ruck“. Statt in Schockstarre auf Zinsen und Baukosten zu starren, bieten Transformation und Bestandserhalt enorme Chancen – wenn man sie strategisch angeht.

Hier setzt hpm an: Ob Kommune, die ihren Leerstand aktivieren will, oder Investor, der ein zukunftsfähiges Quartier plant – Transformation braucht Steuerung. Wir unterstützen Sie dabei, Bedarfe frühzeitig zu identifizieren und Projekte sicher ins Ziel zu steuern.