Welche Vor- und Nachteile hat eine Generalüber- oder -unternehmer-Vergabe gegenüber der klassischen losweisen Vergabe? Welche rechtlichen Voraussetzungen gibt es und welche Verfahrensarten sind dafür vorgesehen? Diese und weitere Fragen beantwortet die hpm-Geschäftsführer Thomas Henkel in einem IBR-Seminar in Zusammenarbeit mit Rechtsanwalt Dr. Tobias Hänsel.

Voraussetzungen für Generalübernehmer-Vergaben

Bauzeitverlängerungen und explodierende Kosten bei Bauvorhaben der öffentlichen Hand werden häufig auch mit dem Zwang der Auftraggeber in Verbindung gebracht, selbst komplexe Bauvorhaben kleinteilig in zahlreichen Losen ausschreiben zu müssen. Allerdings eröffnen die vergaberechtlichen Regelungen dem Auftraggeber durchaus die Möglichkeit, Planungs- und Bauleistungen an Generalübernehmer („Totalübernehmer“) zu vergeben. Hierfür muss der Auftraggeber (lediglich) feststellen können, dass eine gemeinsame Vergabe von Planung und Bauausführung nach Abwägung aller Umstände zweckmäßig ist. Generalübernehmer-Vergaben können somit nicht nur bei Großbauvorhaben der öffentlichen Hand durchgeführt werden, sondern auch bei kleineren bzw. Standard-Objekten, wie z. B. Schulen und Kindergärten. Auch Generalunternehmer-Vergaben sind unter bestimmten Voraussetzungen zulässig.

Vergabe-Seminare im November 2019 und Mai 2020

Um öffentlichen Auftraggebern Bedingungen und Möglichkeiten näher zu bringen und sie somit zu fundierten, rechtssicheren Entscheidungen zu befähigen, bieten hpm-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Thomas Henkel und Rechtsanwalt Dr. Tobias Hänsel jetzt erstmals das IBR-Seminar „Die Vergabe öffentlicher Bauaufträge an Generalübernehmer und Generalunternehmer“ an. Am 20.11.2019 sowie am 14.05.2020 stellen sie im IBR-Seminarzentrum in Mannheim zunächst die Gründe gegenüber, die für und gegen eine klassische losweise Vergabe bzw. eine Generalüber- oder -unternehmer-Vergabe sprechen. Zudem stellen sie die rechtlichen Voraussetzungen sowie die von der VOB/A-EU dafür vorgesehenen Verfahrensarten dar. Im weiteren Verlauf erläutern die den Ablauf eines Vergabeverfahrens von der Vorbereitung über den Teilnahmewettbewerb bis hin zur Angebotsphase und zum Zuschlag. Zahlreiche Praxisbeispiele und die Erfahrungen der Referenten aus durchgeführten Vergabeverfahren runden das Seminar ab.

Thomas Henkel, Geschäftsführer hpm Hnekel Projektmanagement GmbH

Dipl.-Ing. Thomas Henkel

ist Geschäftsführer der hpm Henkel Projektmanagement GmbH in Dresden, Bauingenieur und als Projektsteuerer spezialisiert auf die Betreuung von komplexen Vergabeverfahren für Planungs- und Bauleistungen. Als Prozess-Spezialist und technisch-wirtschaftlicher Berater betreut er seit Jahren zahlreiche öffentliche Auftraggeber und hat insbesondere Erfahrungen bei der Bedarfsplanung und Projektstrukturierung.

RA Dr. Tobias Hänsel

ist Fachanwalt für Vergaberecht und Bau- und Architektenrecht in Dresden. Seine Tätigkeitsgebiete sind das private Baurecht sowie das Vergaberecht. Ein besonderer Schwerpunkt ist dabei die Gestaltung von Vergabeverfahren für Architekten- und Ingenieurleistungen. Er ist durch zahlreiche Veröffentlichungen im Bau- und Vergaberecht und eine umfangreiche Seminartätigkeit ausgewiesen. Herr Dr. Hänsel ist Mitherausgeber der Zeitschrift “VPR Vergabepraxis & -recht”.

Rechtsanwalt Dr. Tobias Hänsel

Das Fortbildungsangebot richtet sich an öffentliche Auftraggeber ebenso wie an interessierte Bieter, Architekten, Ingenieure, Projektsteuerungsunternehmen, Beratungsunternehmen und Rechtsanwälte. Die Schulung kann mit einer Teilnahmebestätigung über 6 Zeitstunden nachgewiesen werden, was acht Weiterbildungspunkten der verschiedenen Architekten- und Ingenieurkammern entspricht. Die Seminargebühr von 399 Euro beinhaltet neben ausführlichen Seminarunterlagen auch ein Mittagessen inkl. Softgetränk sowie Snack, Tagungs- und Pausengetränke.

IBR-Seminar: Die Themen im Überblick

  1. Baubetriebliche und prozessorientierte Grundlagen
    • Grundlagen der Bedarfsplanung
    • Stakeholdermanagement
    • Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen GU und GÜ
    • Losweise Vergabe vs. GU- oder GÜ-Vergabe: Vor- und Nachteile der Projektorganisationsformen
    • Risikoallokation in den verschiedenen Vertragsmodellen
  1. Vergaberechtliche Grundlagen
    • Voraussetzungen für eine Generalüber- und -unternehmer-Vergabe
    • Mögliche Verfahrensarten: Verhandlungsverfahren und wettbewerblicher Dialog – Unterschiede und Gemeinsamkeiten
  1. Die Vorbereitung des Vergabeverfahrens
    • Definition der Ziele der Beschaffung
    • Ermittlung des Bedarfs
    • Erstellung der Vergabeunterlagen
    • Entwurf des Generalübernehmervertrages
  1. Der Teilnahmewettbewerb
    • Eignungskriterien und Eignungsprüfung
    • Auswahlkriterien und Auswahl unter den geeigneten Bewerbern
    • Verfahren ohne Auswahl unter den Teilnehmern/Bietern
  1. Die Angebots- bzw. Dialogphase
    • Ablauf der Verfahren
    • Abwicklung des Verfahrens in aufeinanderfolgenden Phasen
    • Darstellung möglicher Wertungskriterien
    • Vorgabe eines Pauschalfestpreises durch den Auftraggeber?
    • Die Zusammensetzung der Jury
    • Die Einbindung externer Fachleute in die Wertung
    • Auswahlkriterien und Auswahl unter den geeigneten Bewerbern
  1. Sonderfragen
    • Beteiligung der Öffentlichkeit
    • Ausstellung der nicht berücksichtigten Entwürfe nach Zuschlag
    • Nachhaltigkeitsanforderungen
    • BIM-Vorgaben