Das Landgestüt Moritzburg ist eine der ältesten und renommiertesten Gestütsanlagen Deutschlands. Als Teil der Sächsischen Gestütsverwaltung genießt es internationalen Ruf auf dem Gebiet der Hengstzucht. Für die Standortentwicklung des „Neuen Gestüts“ betreut die hpm Henkel Projektmanagement GmbH mehrere Vergabeverfahren für Planungsleistungen.

Gestüt mit Historie und Renommee

Ansässig ist das Landgestüt in den ehemaligen kurfürstlichen Jagdställen in unmittelbarer Nähe zur berühmten Schlossanlage Moritzburg. Neben der Bereitstellung von Landbeschälern für die Freistaaten Sachsen und Thüringen werden hier Hengst- und Stutenprüfungen, Lehrgänge der Landesfachschule für Reiten und Fahren sowie Verkaufsveranstaltungen für Pferde durchgeführt. Touristenmagnet sind auch die traditionellen Hengstparaden, die im September jeden Jahres im neugestalteten Hengstparadestadion stattfinden.

Die historische Gestütsanlage wurde durch den Hofbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann entworfen und 1733-35 von seinem Nachfolger Johann Christoph Knöffel erbaut. 1913-1915 entstand als bauliche Erweiterung 600 Meter nördlich der barocken Stallanlagen das „Neue Gestüt“. Dort arbeitet der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) seit 2007 an Planung und Umsetzung eines Pakets an Bauvorhaben. Ziel ist es, die Attraktivität des Standortes als Turnier-, Trainings- und Veranstaltungsgelände weiter zu steigern. Im ersten Bauabschnitt wurden bis September 2014 der Hengst- und Turnierplatz saniert sowie das sogenannte Terminalgebäude, multifunktionale Aufstellflächen für mobile Tribünen, die neue stationäre Tribüne, die Führanlage und Paddocks neu errichtet.

Neue Hallen nach internationalen Standards

Der neue Hengstparade-Platz zählt nun zu den modernsten deutschen Pferdesport-Stadien. Doch für eine professionelle Arbeitsweise und Außenwirkung der Gestütsanlage sind auch die Reithallen besonders wichtige funktionale Bausteine. Die zwei bestehenden Reithallen im Alten und Neuen Gestüt sind vor allem aufgrund ihrer Größe und Ausstattung sowie ihrer Grundrisse nicht bzw. nur sehr eingeschränkt für Veranstaltungen und Wettbewerbe nach nationalen und internationalen Standards (z.B. Leistungsprüfungen, Turniere, usw.) oder Trainings- und Unterrichtszwecke nutzbar. Im bundesweiten Vergleich rangieren die Moritzburger Reithallen damit auf dem letzten Platz, wie Landstallmeisterin Kati Schöpke den Dresdner Neusten Nachrichten gegenüber berichtet.

Seit 2017 läuft daher der zweite Bauabschnitt. Um den weiteren Betrieb entsprechend den Tierschutzrichtlinien zu gewährleisten sowie den internationalen Anforderungen im Bereich der Pferdezucht und des Pferdsports gerecht zu werden, sind in den kommenden Jahren zahlreiche weitere bauliche Maßnahmen geplant. Zum aktuellen Auftrag der hpm Henkel Projektmanagement GmbH über die  Vergabe der benötigten Planungsleistungen der Objektplanung und Tragwerksplanung gehören vier Teilobjekte:

  1. Neubau der Reithalle
  2. Neubau der Abreithalle
  3. Neubau der Futtermittelhalle
  4. Abriss der alten Reithalle

Hohe Anforderungen an den Umgebungsschutz

Das Neue Gestüt befindet sich in einem kulturhistorisch und landschaftlich hochsensiblen Gebiet. Die gesamte Anlage grenzt an die Kulturlandschaft Moritzburg, zahlreiche Gebäude sind als Einzeldenkmale gemäß § 2 SächsDSchG erfasst. Im Winterhalbjahr bestehen zwischen dem Standort für die neuen Reithallen direkte Sichtbeziehungen zur Kulturlandschaft und zum Schloss Moritzburg. Damit ergeben sich für die Gestaltung der Gebäude erhöhte Anforderungen im Rahmen des Umgebungsschutzes von Kulturdenkmalen gemäß § 12 Abs. 2 SächsDSchG. Ziel ist es, dass sich beide Baukörper in ihrem äußeren Erscheinungsbild und unter Ausnutzung der vorhandenen Geländeformation in die vorwiegend ländlich geprägte Umgebungsbebauung gestalterisch sensibel einfügen.

Lageplan Landgestüt Moritzburg

Die Reitstation der Hengstparade befindet sich südwestlich des Schloßteiches in Moritzburg (Lageplan: Geoportal SIB)

Durch die direkte Nähe zu den als Landschaftsschutzgebiet, Naturschutzgebiet, Vogelschutzgebiet und FFH-Gebiet ausgewiesenen Flächen sind weiterhin umfangreiche naturschutz- und wasserrechtliche Belange zu berücksichtigen. Daher besteht die Forderung, dass durch Baumaßnahmen innerhalb des Gestüts keine qualitative und quantitative Verschlechterung des bestehenden komplexen Ökosystems (Tier- und Pflanzenwelt, Gewässereigenschaften, usw.) eintreten darf.

Im Verhandlungsverfahren der Objektplanung sollten drei Bieter eine Konzeptstudie zum “Neubau einer Multifunktionsreithalle mit Tribüne und Funktionsräumen” einreichen. Den Zuschlag erhielt schließlich die Schulz + Uhlemann Architekten GmbH aus Dresden, mit der Tragwerksplanung wurde die Ingenieurgesellschaft Hochbau GbR beauftragt. Der Baubeginn ist im Frühjahr 2021 geplant, im Jahr darauf soll die Reithalle mit einer Tribüne mit 800 Plätzen fertiggestellt werden.